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Volksgruppen |
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Menschen in Nepal – die Nepali – bilden für die meisten Reisenden neben den
Naturerlebnissen einen zentralen Interessenspunkt. Die Gesellschaftsstruktur im
Hindu-Königreich weist eine unglaubliche und sehr verwirrende
Vielschichtigkeit auf. Diese Mischung von Ethnien, Kastengruppen, Religionen und
Kulturen wirkt für uns zunächst fremd und unüberschaubar. Dieser Eindruck
bleibt selbst bei mehreren Besuchen erhalten. Zudem sind die
Informationen, die man über das Land erhalten kann zum Teil recht
widersprüchlich und verwirrend.
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Indo-Arier und Tibeto-Mongolen
Generell unterscheiden sich zwei Rassengruppen: die Indo-Arier und die
Tibeto-Mongolen. Die buddhistischen Tibeto-Mongolen wanderten von Norden und
Osten ein. Sie teilen sich in die ur-nepalesische und die tibetische Gruppe auf.
Die Indo-Arier sind dem Hinduismus zugetan und aus Süden in das heutige Nepal
gekommen. Sie teilen sich auf in zwei Untergruppen: die Nepali-Gruppe und die
indische Gruppe.
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Volk oder Kaste?
Die Dominanz der Nepali-Gruppe führte dazu, daß die nicht-hinduistischen
Ethnien jeweils als Ganzes in die hinduistische Kastenleiter aufgenommen wurden.
Deshalb bezieht man sich in Nepal selbst immer auf die Kaste (engl. cast, nepali:
jaat), wenn man von Volksgruppen spricht.
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Im Spannungsfeld zweier Kulturkreise
In Nepal überschneiden sich die Kultursphären des hinduistischen Indien und
des buddhistischen Tibet. Die Übergänge sind meist nicht schroff, sondern eher
fließend, viele Zwischenstufen sind bemerkbar, was die kulturelle Eigenständigkeit
Nepals unterstreicht. Der Buddhismus ist aus dem Hinduismus hervorgegangen und
wird von den orthodoxen Hindus immer noch als Teil ihrer Religion angesehen. Das Miteinander von
Hinduismus und Buddhismus gestaltet sich im religiösen Bereich außerordentlich
tolerant und harmonisch. Beispiel ist die gemeinsame Nutzung vieler
Heiligtümer. Im sozialen Bereich jedoch ist ein wachsendes Unverständnis
der anderen Gruppen gegenüber dem dominierenden Status der Bahun und Chhetri
der Nepali-Gruppe zu verspüren.
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Als Ur-Nepalesen werden die Ethnien der Newar, Sunwar, Tharu, Rai und Limbu (Kiranti)
bezeichnet. Es handelt sich um tibeto-mongolische Volksgruppen, die sehr früh
ins heutige Nepal gezogen sind und das Land bis in seine jüngere Vergangenheit
mitgeprägt haben. Die Wichtigsten seien hier genannt.
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Die Newar
Die Newar sind die Ureinwohner des Kathmandu-Tals. Sie sind tüchtige Reis- und
Gemüsebauern (vor allem in Bhaktapur und den vielen kleineren Dörfern),
begnadete Handwerker (Patan) und erfolgreiche Kaufleute (Kathmandu). Viele Newar
haben in den letzten Jahrhunderten das Kathmandu-Tal verlassen und manchen
Basarort in den subtropischen Flußtälern mitbegründet. Die traditionelle
Architektur der Newar (kubische Häuser aus kleinen Backsteinen, geschnitzte
Holzfenster) bildet heute das auffälligste Merkmal dieses Volksstamms, der eine
eigene Form des Buddhismus (mit stark hinduistischer Färbung) hervorgebracht
hat. Die Newar sind – im Vergleich zu anderen Volksgruppen in diesem Land –
eher dunkelhäutig und sprechen einen klangvollen tibeto-birmanischen Dialekt,
auch Newari genannt. Vor allem in den ländlichen Siedlungen des Kathmandu-Tals
gibt es auch heute noch viele Menschen, die kein Nepali sprechen, sondern nur
Newari.
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Die Sunwar,
eine kleine Volksgruppe, die in Ostnepal (zwischen Arun und
Tamur) zu Hause ist. Ihre eigene Sprache haben sie verloren, sie sprechen nur
noch Nepali und sind als geschickte Korbflechter bekannt und geschätzt. Sie dürfen
nicht mit den "Sunar" (Goldschmiedekaste, siehe Nepali-Gruppe)
verwechselt werden.
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Die Tharu
Im subtropischen Tiefland des Terai, an der Grenze zu Indien haben sich die Tharu angesiedelt, eine
Volksgruppe von zierlicher Gestalt und matriarchalische Gesellschaftsform. Tharu
Frauen haben das Recht auf Scheidung, ein Recht, das wenige Frauen in
Nepal haben. Die Tharu waren früher Jäger und Fischer
in den ehemals immensen Salwäldern, heute betätigen sie sich als Bauern. Sie
sind gegen die Malaria immun geworden. Ihr Baustil ist der Hitze des Terai angepasst. Die Häuser bestehen aus Holz, Bambus und Lehm, sind mit
Elefantengras oder Ziegeln gedeckt und stehen oft auf Pfählen, zum Schutz vor
Überschwemmungen, Insekten und Tieren.
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Die Rai,
stämmige, kräftige Menschen mit ebenmäßigen Gesichtszügen, leben
in Ostnepal (zwischen Solukhumbu und Arun) auf einer Höhenlage bis 1500 m, wo
sie sich als Reisbauern betätigen. Die Rai sind als enorm starke und
ausdauernde Träger bekannt. Ihre Sprache kennt viele lokale Dialekte. Die Rai
sind zudem in verschiedenste Untergruppen (clans) unterteilt. Sie pflegen einen
Hinduismus mit stark schamanistischen und animistischen Akzenten. In der Regel
begraben sie ihre Toten.
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Die Limbu trifft man östlich des Arun an. Sie sprechen ebenfalls eine
tibeto-birmanische Sprache und betätigen sich als Reisbauern. Sie sind als
impulsive Heißsporne verschrien, was aber ein Urteil ist, das lange nicht auf
alle Limbu zutrifft. Wie die Rai wohnen sie in stattlichen, but bemalten
Pahari-Häusern. Obwohl im Prinzip Hinduisten, praktizieren die Limbu die
Erdbestattung. Viele Rai und Limbu gehören den Gurkha-Regimentern der
britischen und indischen Armee an.
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Diese zweite Abteilung der Tibeto-Mongolen umfaßt die tibetischstämmigen Völker
der Magar, Gurung, Tamang, Bhotia, Thakali, Sherpa und Tibeter, welche ab dem
11. Jahrhundert sukzessiv von Norden her in Nepal eintrafen. Sie sind die
Vertreter des tibeto-buddhistischen (lamaistischen) Kulturkreises und bewohnen
teils die Südabdachungen der Hauptkette, teils die Täler im Inneren Himalaya.
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Die Gurung
Die Heimat der Gurung befindet sich südlich des Gurkha- und Annapurna Himal.
Sie sind bekannt für ihre stattlichen Häuser und ihre Steintreppen, mit denen
sie steile Wegabschnitte begehbarer machen. Sie leben meist in großen Dörfern
in Höhenlagen über 1500 m und bauen Mais, Hirse, Weizen und Kartoffeln an.
Streng genommen sind die Gurung Buddhisten, jedoch haben sich bei ihnen viele
ausgesprochen hinduistische Verhaltensweisen eingebürgert. Sie sprechen eine
eigene tibeto-birmanische Sprache (dem Rangitam der Tamang nahe verwandt) und
sind als Gurkha-Soldaten bei den Briten und Indern sehr beliebt. Viele der
nepalesischen Träger sind aus diesem Bergvolk.
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Die Tamang
Südlich des Ganesh Himal, im Helambu und auf den Hügelkämmen südlich von
Kathmandu finden wir die Tamang, eine der größten tibeto-mongolischen Ethnien
des Landes. Man schätzt die Zahl der Tamang auf über 350'000 Seelen. Die
Tamang sind Lamaisten mit vielen eigenen Klöstern, zudem spielt der
Schamanenkult bei ihnen eine enorme Rolle. Sie leben in Höhenlagen von 1500 m
und darüber und bevorzugen meist sehr große Dorfgemeinschaften. Ihre Sprache
heißt Rangitam und ist mit dem Tibetischen verwandt. In den einzelnen Regionen
ihres Siedlungsgebiets sind auch starke Dialekte zu hören, die derart
voneinander abweichen, daß sich manche Tamang untereinander in Nepali verständigen
müssen, um sich zu verstehen. Als richtige Bergbauern pflanzen sie vor allem
Mais, Hirse, Gerste und Weizen an. Auf den Trekkingtouren werden sehr oft
Tamang-Träger beschäftigt, die einen ausgezeichneten Ruf als starke und
zuverlässige Begleiter haben. Auch viele Köche und Sirdar (Bergführer)
stammen mittlerweile aus diesem Stamm. |
Die Bhotia
Als Bhotia (von nepali: bhot = Tibet, in Indien auch "Bhutia" genannt;
der Name "Bhutan" hat dieselbe Wurzel) werden jene tibetischstämmgen
Volksgruppen bezeichnet, die seit vielen Jahrhunderten im Inneren Himalaya zu
Hause sind. Sie sprechen tibetische Dialekte und bauen Gerste und Kartoffeln an,
halten Yaks, Ziegen und Schafe und bewohnen meist Flachdachhäuser. Die Bhotia
sind in verschiedene Untergruppen eingeteilt, so Humlapa, Muguli, Dolpopa, Lhopa,
Manangbhot, Samabhot (oder Röpa), Langtangbhot, Lhomi. Alle Bhotia sind
Lamaisten, in ihren Dörfern und Wohngebieten finden sich zahlreiche sehr alte
Klöster. In einigen sehr abgelegenen Tälern konnte sich auch der
vorbuddhistische Bön-Glaube halten. Viele Bhotia können aus ihren kargen
Feldern nicht genügend für die Ernährung herauswirtschaften, weshalb sie sich
auf Tauschhandel zwischen Tibet und dem subtropischen Nepal spezialisiert haben.
Sie befinden sich deshalb gut die Hälfte des Jahres auf Handelsreise mit ihren
stattlichen Yak-Karawanen.
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Die Thakali
Zwischen Dhaulagiri und Annapurna liegt das Kali Gandaki-Tal oder Thak Khola.
Dort befindet sich der Lebensraum der Thakali, auch ein tibeto-mongolischer
Stamm. Die Thakali haben während Jahrhunderten den lukrativen Handel mit
tibetischem Salz beherrscht, das in Nepal und Indien sehr beliebt war. Nach 1959
ist dieser Salzhandel aufgrund der Grenzschließung weitgehend
zusammengebrochen. Heute betreiben die Thakali viele Lodges für die
Trekkingtouristen, welche zahlreich in dieses aride Hochtal strömen. Sehr
beeindruckend sind die großen Karawansereien in Tukuche und das saubere Dorf
Marpha mit seinen Obstplantagen. Die Thakali sprechen eine tibeto-birmanische
Sprache und sind Anhänger des Lamaismus.
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Die Sherpa
Der wohl bekannteste Volksstamm Nepals sind die Sherpa. Dies erstaunt deshalb,
weil die Sherpa nur eine sehr kleine Gemeinschaft darstellen.
Sie sind vor 500 Jahren aus Osttibet ins heutige Solukhumbu und ins Helambu
eingewandert, wo sie Gerste und Kartoffeln kultivieren und tüchtige Viehzüchter
geworden sind. Ihre Sprache (auch Sherpa genannt), ist ein osttibetischer
Dialekt. Die Sherpa begründeten ihre Bekanntheit durch die Tatsache, dass sie
seit dem Beginn der Erkundung und Besteigung der Himalaya-Gipfel die
Expeditionen begleitet und während deren Aktivitäten schier Unglaubliches
vollbracht haben. Ohne Sherpa wären vermutlich die meisten Expeditionen
gescheitert. So ist ihr Stammesname mittlerweile zu einer Berufsbezeichnung
geworden. "Sherpa" werden heute bei den Expeditionen generell die
Hochträger genannt, welche die Lasten vom Basislager zu den Hochlagern
transportieren. Ein "Sherpa" bei den Trekkinggruppen sorgt als Koch
oder Helfer für das Wohl der Teilnehmer. Nicht alle "Sherpa" stammen
heute also aus dem gleichnamigen Volk. Tamang, Gurung, Magar, Bhotia und Rai
haben teilweise ihren Platz eingenommen. Viele Sherpa haben das Solukhumbu
verlassen und betreiben in Kathmandu Trekkingagenturen und Reisebüros. Trotzdem
gehören die Täler rund um den Everest zu den am besten entwickelten Gebieten
des ganzen Himalaya. Die Sherpa sind zwar Traditionalisten und gläubige
Lamaisten, verschließen sich aber nicht den vielen Errungenschaften der
Moderne.
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Die Tibeter
Nach dem Überfall der chinesischen Armee auf den tibetischen Staat sind nach
1959 sehr viele Tibeter nach Nepal ausgewandert. Die meisten sind heute im
Kathmandu-Tal und in der Gegend von Pokhara seßhaft geworden. Leider ist diese
große und auch dramatische Flüchtlingsbewegung nicht zum Stillstand gekommen.
Auch heute noch fliehen praktisch täglich Tibeterinnen und Tibeter nach Nepal.
Aufgrund ihrer Anwesenheit haben sich diverse Zentren der tibetischen Kultur und
des tibetischen Buddhismus (Lamaismus) von Tibet her nach Kathmandu verschoben.
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Die Nepali-Gruppe dominiert das Leben in Nepal, obwohl sie insgesamt nur gut die
Hälfte der Bevölkerung stellt. Sie unterteilt sich in die hochkastigen Gruppen
der Bahun und Chhetri und die niederen Handwerkskasten, u.a. der Sunar, Damai,
Sarki und Kami. Alle diese Volksgruppen sind hinduistisch und sprechen Nepali
als ihre Muttersprache.
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Bahun
Die Bahun (in Indien Brahmanen genannt) bilden die Priesterkaste. Dies ist die höchste
Kastenstufe im Hinduismus. Nun ist lang nicht jeder Bahun ein Priester, aber
jeder Priester muss aus der Kastengruppe der Bahun stammen. Die Bahun fallen auf
durch ihren hageren Wuchs und die typisch indo-arischen Gesichtszüge. Die Männer
tragen die heilige Schnur (meist aus Baumwolle) um ihre Brust. Die meisten von
ihnen betätigen sich als Reisbauern im subtropischen Tiefland bis auf etwa 1500
m Meereshöhe. Viele Bahun sind Politiker oder Beamte im Staatsdienst. Sie sind
Meister in der Wahrung kastenspezifischer Interessen und in der Regel besser
gebildet als der Durchschnitt ihrer Landsleute. Die Bahun sind in ganz Nepal
anzutreffen. Die meisten Bahun sind
orthodoxe Hindus, welche praktisch kein Fleisch essen, keinen Alkohol trinken
und daneben verschiedenste strenge Kastenregeln befolgen müssen.
Besonders bei jenen Bahun, die in die Stadt gezogen sind, werden diese
Regeln unter dem Einfluss eher materialistischer Denkmuster nicht mehr so streng
befolgt. Die Häuser der Bahun sind stattliche Höfe mit Vordächern. Ihre
Streusiedlungen befinden sich in unmittelbarer Nähe ihrer Reisterrassen.
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Chhetri
Die Chhetri (in Indien Kshatriya genannt) bilden die zweithöchste Kastengruppe.
Ursprünglich handelt es sich um die Kriegerkaste. Eine ihrer Untergruppen sind
die Thakuri (Königskaste), aus der die heutige Königsfamilie stammt. Die
Chhetri leben wie die Bahun überall in Nepal, sie bevorzugen ebenso die
subtropischen Gefilde bis etwa 1500 m, mit der Ausnahme von Westnepal, wo
Siedlungen bis zu 3000 m Höhe anzutreffen sind. Dort vermischten sich die
Chhetri teilweise mit den früher eingewanderten indo-arischen Khas, denen der
Status der Kriegerkaste ebenfalls zugestanden wurde. Die meisten Chhetri betätigen
sich als Reisbauern, viele sind im Staatsdienst angestellt (Verwaltung, Lehrer,
Polizei, Armee). Wie die Bahun, mit denen sie sehr viele Gemeinsamkeiten haben
und in deren Nähe sie leben, tragen die Chhetri Familiennamen, während die
meisten anderen Ethnien den Namen des Volksstammes als Familienbezeichnung führen
(z.B. "Gurung", "Tamang", "Sherpa", "Rai"
etc.). Wie
die Bahun bevorzugen die Chhetri den Typus der Streusiedlung. Viele Chhetri und
Bahun sind in den letzten Jahrzehnten aus den Hügeln in das Tiefland des Terai
ausgewandert.
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Die Handwerkskasten
Sowohl Bahun wie auch Chhetri sind aufgrund kastenspezifischer Tabus auf die
niederen Handwerkskasten angewiesen, welche ihnen aus Indien hierher gefolgt
sind und sich in ihrer Nähe, aber immer klar abseits der Dörfer und Siedlungen
der hochkastigen Arbeitgeber wohnen. Es handelt sich im wesentlichen um folgende
Stämme: Sunar (Goldschmiede), Damai (Schneider und Musikanten), Sarki
(Schuhmacher und Gerber), Kami (Eisenschmiede). Daneben gibt es noch eine ganze
Reihe kleinerer Handwerkskasten. Die
meisten dieser Kastengruppen haben eine relativ dunkle Hautfarbe und müssen
sich aufgrund der hinduistischen Kastenregeln ausschließlich in ihrem
angestammten Beruf betätigen. Die meisten Handwerker sind daneben aber
Subsistenzbauern. Die religiöse Hierarchie bedingt, dass sich die genannten
Handwerkskasten auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter befinden. Ein
Aufstieg über die Kastenstufen hinweg ist auch heute noch ein Ding der Unmöglichkeit,
dies obwohl das Kastenwesen vor bald 40 Jahren offiziell abgeschafft wurde. Aber
4000 Jahre hinduistische Tradition wiegen natürlich äußerst schwer und können
nicht "über Nacht" getilgt werden. Trotz aller – in unseren Augen
– Benachteiligungen und Ausgrenzungen hat die Kastenstruktur auch einen
Vorteil: es sichert den Handwerkern sozusagen ein "konkurrenzloses"
Dasein, denn kein anderer Stamm darf ihre Tätigkeiten ausführen.
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Punjabi und Kaschmiri
Die dauernden politischen Unsicherheiten im Punjab und in Kaschmir führten zu
einer regelrechten Einwanderungswelle von Punjabi (Sikh) und Kaschmiri, die vor
allem im Kathmandu -Tal und in Pokhara anzutreffen sind, wo sie sich als tüchtige
Geschäftsleute einen Namen gemacht haben. Durch die freizügigen Bedingungen können
heute Inder relativ problemlos nach Nepal auswandern. Hier muss aber auch erwähnt
werden, dass über eine Million Nepali in Indien und Bhutan leben, wo sie lokal
starke Minderheiten bilden. Bhutan hat übrigens vor wenigen Jahren damit
begonnen, die ursprünglich als Gastarbeiter angeheuerten Nepali wieder
auszuweisen, dies nachdem sie sich über zwei
oder drei Generationen in Bhutan aufgehalten hatten. Die schönste,
akzentfreieste und reinste Nepali-Sprache wird übrigens in Darjeeling
gesprochen, also außerhalb der Grenzen des Landes!
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Die vier "varna"
Das Kastenwesen ist eine hinduistische Einrichtung, die vor rund 4000 Jahren
eingeführt wurde und im sozialen Leben Nepals auch heute nicht wegzudenken ist,
und das bwohl es offiziell gar nicht mehr exisitiert. Zunächst ist die
Gesellschaft in vier verschiedene soziale Schichten (sanskrit: varna)
unterteilt. Ganz oben finden wir die Brahmanen (Priesterkaste, in Nepal Bahun
genannt). Es folgen die Kshatriya (Kriegerkaste, in Nepal als Chhetri
bezeichnet), die Vaishiya (Lehrer, Händler, Kaufleute) und die Sudra
(Handwerkskasten). In Nepal finden wir aufgrund der Besiedlungsgeschichte vor
allem Vertreter der obersten zwei und der untersten Schicht. Die vier "varna"
sind ihrerseits in Kasten unterteilt, welche eine spezifischere Unterscheidung
gewährleisten. Obwohl die Bahun und Chhetri relativ kompakte Schichten
darstellen, finden wir auch bei diesen Unterkasten, die sich in den jeweiligen
Familiennamen zu erkennen geben.
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Die pauschale Einteilung anderer
Ethnien
Die ur-nepalesischen und tibeto-mongolischen Ethnien werden von den Bahun und
Chhetri pauschal in die dritte Stufe (Vaishiya) eingeteilt. Unter dem
kulturell-religiösen Einfluß der Bahun und Chhetri haben zudem einige von
diesen buddhistisch geprägten Volksstämmen auch eigene Kastenstrukturen in
ihrer eigenen Gemeinschaft eingeführt, so besonders die Newar.
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Die Seelenwanderung
Obwohl wir im industrialisierten Westen auch klare soziale Unterschiede kennen
(und auch pflegen), befremdet uns manchmal das Kastenwesen und seine – für
uns – "unmenschlichen" Züge. Man muß dies aber in größeren
Zusammenhängen sehen. Der Hindu glaubt fest an die Seelenwanderung oder
Reinkarnationstheorie. Die Geburt in einer Kaste wird als die Summe der guten
oder schlechten Taten in den früheren Leben und Daseinsformen angesehen und
wird generell absolut nicht in Frage gestellt. So akzeptieren alle Menschen ihr
Schicksal in jedem Fall sehr gleichmütig als unumstößliche Tatsache. Das
"Hadern mit dem Schicksal" ist deshalb eine typisch westliche
Eigenart. Der Hindu wird durch Anhäufung guter Taten auf eine bessere
Wiedergeburt hoffen dürfen. Als höchste Daseinsform gilt die Kuh, die deshalb
heilig ist und auf keinen Fall geschlachtet werden darf. Daß wir bei uns
Rindfleisch essen, ist für die Hindus völlig unbegreiflich und auf jeden Fall
sündhaft – so wie wir umgekehrt
die strenge soziale Marginalisierung besonders ihrer Handwerkskasten (Sudra)
empfindenm. Es ist aber immer ein gravierender Fehler und trägt wenig zum
gegenseitigen Verständnis bei, mit der Brille einer Religion die Traditionen |
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